InselLebensGenüsse 9

Ostern mit Kühchenschelle,
Hildegard und schlesischer Nachtigall

Zu Beginn der Ferien lud die Gartenfreundin ihren Wagen voll mit Weibern und fuhr mit ihnen aufs Festland, tausend Dinge erledigen und zu Kräuter-Simon nach Efkebüll, um biodynamische Frühlingspflanzen zu kaufen. Zum Beispiel eine Kühchenschelle, die ja ihren Namen nicht davon hat, dass sie in der Küche schellt, sondern daher, dass sie am Hals des Kälbchens baumelt…

Auf der Fähre packten wir unser gemeinsames Frühstück aus, wie das Föhrerinnen so tun, und aßen es im Gastronomie-Bereich der Fähre zur Freude aller Beteiligten.

Unter anderem gab es:

Hommus we Tahini

… also Kichererbsen mit Sesampaste.

Ich nehme entweder eine Dose Kichererbsen, die sind schon vorgekocht und ich muss sie einfach nur erwärmen, oder ich weiche getrocknete Kichererbsen über Nacht in Wasser ein und koche sie ca. 45 Minuten. (Ein Esslöffel Öl vermindert die Schaumbildung beim langen Kochen.)

In den Mixer kommen die abgegossenen Kichererbsen und Sesampaste, die ich als Tahini im Reformhaus gekauft habe, sowie Olivenöl, Salz und Pfeffer und viel Schnittlauch (könnte auch Frühlingszwiebel und Knoblauch sein) im Verhältnis Kichererbsen zum Rest ca. 4:1 . Justiert wird mit Wasser, es soll eine glatte Creme entstehen, die nicht fließt.

Ich serviere das Hommus glattgestrichen auf flachem Teller mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Rosenpaprikapulver und Schnittlauch oder Frühlingszwiebeln. Dazu gäbs frisches, warmes Pitabrot, wenn man es hätte, sonst Baguette oder Brötchen.

Das folgende Gedicht kam meines Weges unter einem blühenden Apfelbaum:

Wenn der holde Frühling lenzt…

Wenn der holde Frühling lenzt
Und man sich mit Veilchen kränzt
Wenn man sich mit festem Mut
Schnittlauch in das Rührei tut
Kreisen durch des Menschen Säfte
Neue ungeahnte Kräfte –
Jegliche Verstopfung weicht,
Alle Herzen werden leicht,
Und das meine fragt sich still:
„Ob mich dies Jahr eine will?“

Friederike Kempner, genannnt die schlesische Nachtigall, (1836 – 1904)
 

Nach Ostern brachte der Biobauer ein Tütchen voll Sauerampfer, köstliches Frühlingskraut, das ich nicht immer nur zu Suppe verarbeiten will.

Also gabs einmal
Kartoffeln mit köstlicher Sauerampfer-Creme fraiche

und einmal
Penne mit Sauerampfer und Dorschleber

Ich koche Mini-Penne Rigate nach Vorschrift und schneide eine gute Handvoll Sauerampfer sehr klein. Eine Dose Dorschleber wird abgegossen und mit dem Sauerampfer vermischt, und Donald, der an dieser Stelle ganz wild wird, bekommt ein winzig kleines Stückchen Fischleber ab.

Da ich Saft und Öl aus der Dose entsorgt habe, fülle ich mit einem Esslöffel bestem Olivenöl auf und würze mit dem Scharfmacher von Sonnentor, Salz und Pfeffer aus der Mühle. Bevor ich die Nudeln abgieße, nehme ich noch ca. eine halbe Kaffeetasse vom Nudelwasser ab und mische es mit der Gabel unter die Sauce.

In eine tiefe Schale kommt erst zweidrittel der Sauce, dann die Nudeln, dann das letzte Drittel der Sauce obendrauf.
Wer’s mag, mag’s.

Das Gedicht von Hildegard begleitete uns durch bewegte Ostertage
beim Kreistanzen
mit Birgit Wehnert im Frauenferien- und Bildungshaus Altenbücken:

Oh edles grün

Oh edles grün,
das wurzelt in der sonne
und leuchtet in klarer heiterkeit,
im rund des kreisenden rades,

das die herrlichkeit des irdischen nicht erfaßt:

umarmt von der herzkraft himmlischer geheimnisse
rötest du wie das morgenlicht
und flammst wie der sonne glut.

du grün
bist umschlossen von liebe.

hildegard von bingen

 

 

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