InselLebensGenüsse 10

Such are daffodils*

Weiße Weihnachten sind selten auf der Insel, Schneeräumung auch. Also waren wir, mehr oder weniger, eingeschneit und hatten Zeit, die Weihnachtsbeute ausführlich zu würdigen:

„The complete poems and selected letters of John Keats”

Aus aktuellem Anlass mit einem Vorwort von Jane Campion („Bright Star“ heißt auch ihr neuer Film über die Liebe von Keats), im Verlag Vintage Books, London.

„I began to realise that perhaps poetry is not so much in need of understanding as loving, or being enchanted, seduced, intrigued or awed. Like eating something delicious, you don’t need to know how it was made, all you need to do is enjoy it.”
(Jane Campion, Introduction)

Also die Poesie, meint Campion, bräuchte nicht so sehr das genaue Verstehen als vielmehr die liebevolle Bereitschaft, sich verzaubern und verführen zu lassen, sich einfangen und überwältigen zu lassen. Darin sei sie wie köstliches Essen, von dem wir auch nicht wissen müßten, wie es gekocht sei, wir müßten es nur genießen können.

Was mir darauf hinzudeuten scheint, dass Jane Campion, die große Filmregisseurin, vielleicht keine Köchin ist, denn Köchinnen, Genießerinnen allesamt und sowieso, wollen sehr wohl wissen, wie’s gemacht wurde.

Daher jetzt hier die Rezepte zum Wyk 100 Menu

das ab Februar 2010 einmal im Monat vom Cafe Klein Helgoland am Yachthafen zur FöhrerGeschichtenWelt-Lesung serviert werden wird.

Föhrini
Ein Fingerhutvoll Himbeersirup, ein Drittel Pfirsichsaft, auffüllen mit Prosecco oder Mineralwasser.

Centennial salad
(kam als Wrixumdorf salad vor Jahren auf die Föhrer Inselwelt und erinnert manche womöglich an den etwas bekannteren Waldorf salad…)

Apfel, Ananas und Sellerieknolle zu gleichen Anteilen in Würfelchen schneiden, Lauchstange fein schneiden. Mischen und mit einer Sauce aus Birnendicksaft, Feigensenf und Wasser übergießen, mit gehackten Walnüssen servieren.

Schwäbische Schupfnudeln mit Föhrer Ziegenfrischkäse
Schupfnudeln (gekaufte) in Butter schmurgeln lassen, die mit dem Scharfmacher von Sonnentor-Gewürze (Bioladen) angeschärft wurde. Auf vorgewärmtem Teller anrichten, einen Klacks Ziegenfrischkäse vom Ziegenhof Matzen aus Oevenum darüber, und obendrauf ein Häubchen Forellenkaviar.

Zum Nachtisch gibt’s Föhrer Eisenkuchen und Mocca, der mit einer winzigen Prise Kardamom gewürzt wurde.

Der unsterbliche Keats kann beides verbinden, die Poesie und das Essen,
er spricht vom „palate of my mind“, also vom Gaumen seines Geistes,
in einem seiner Gedichte an Fanny.

Und in einem anderen Gedicht beschwört er sie:
„…
Be like an April day,
Smiling and cold and gay
A temperate lily, temperate as fair;
Then, Heaven! There will be
A warmer June for me.
…”

Durch seine Gedichte habe sie, so Campion, zu einer neuen kreativen Beziehung mit sich selbst gefunden.

Und darum geht’s beim Kochen und Essen wie beim Schreiben und Lesen:
um unsere kreative Beziehung zu uns selbst und zur Welt um uns, die eine unvergängliche Beziehung zur vergänglichen Schönheit ist: „a joy for ever“.

Daher zum Schluss ein Stückchen aus John Keats’ berühmter Ode an eine Nachtigall:

„…
Thou wast not born for death, immortal Bird!
No hungry generations tread thee down;
The voice I hear this passing night was heard
In ancient days by emperor and clown:
Perhaps the self-same song that found a path
Through the sad heart of Ruth, when sick for home,
She stood in tears amid the alien corn;
The same that oft-times hath
Charm’d magic casements, opening on the foam
Of perilous seas, in faery lands forlorn.

Forlorn! the very word is like a bell
To toll me back from thee to my sole self.

Adieu! adieu! Thy plaintive anthem fades
Past the near meadows, over the still stream,
Up the hill-side; and now ‘tis buried deep
In the next valley-glades:
Was it a vision, or a waking dream?
Fled is that music: – do I wake or sleep?”

– Such are daffodils.

* „A thing of beauty is a joy for ever / its loveliness increases, it will never / pass into nothingness (…) /Such the sun, the moon, / trees old and young sprouting a shady boon / for simple sheep; and such are daffodils (..)”
John Keats

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