Wege zum Schreiben

Ich habe einen meiner frühesten Schreibwerkstattsteilnehmer, Ludger Pötter, gebeten, seinen Weg zum Schreiben darzustellen. Hier ist, als Föhr-Text 4 , der erste Teil seines Reiseweges…

Ludger Pötter:
Eine Reise in die Welt des „Kreativen Schreibens“
Bahnhof 1: „creativ werkstatt“ Wyk auf Föhr
Kreatives Schreiben.

Diese zwei Worte erregten meine Aufmerksamkeit und verwirrten mich gleichzeitig. Ich stand vor der „creativ werkstatt“  in Wyk auf Föhr und starrte gebannt auf diesen Aushang. Es handelte sich um das Angebot, an einer Schreibwerkstatt teilzunehmen, um das Kreative Schreiben kennen zu lernen. Kreatives Schreiben, dazu gab es aus meiner damaligen Sicht Experten wie Schriftsteller, Autoren, Lyriker und Dichter. Für mich bestand zu diesem Zeitpunkt das Schreiben im Erstellen von Arbeitsberichten, Lieferscheinen und Bestelllisten.
Daher war es auch unerklärlich, dass ich mich dennoch am gleichen Abend zu dieser Schreibwerkstatt begab. Vielleicht lag es daran, dass ich darin eine Möglichkeit sah, einige meiner Geschichten, die ich meinen Kindern in frühen Kindertagen erzählt hatte, aufzuschreiben. Nach dem Betreten der Räumlichkeiten dieser kreativen Stätte machte ich die Bekanntschaft der Leiterin der Schreibwerkstatt, Frau Dr. Claudia Fuchs. Weitere Teilnehmer hatten sich noch nicht eingefunden. Es blieben ja noch zehn Minuten bis achtzehn Uhr. Nachdem diese Zeit und weitere zehn Minuten verstrichen waren und bis dahin nicht ein einziger Interessent dazu gekommen war, hatte sich für mich das mit dem Kreativen Schreiben erledigt und ich wandte mich dem Ausgang zu. Die Worte von Frau Fuchs: „Dann können wir ja beginnen“, ließen mich aufhorchen. „Aber“, stammelte ich, „es ist doch niemand da.“ „Doch“, entgegnete Frau Fuchs und schaute mich lächelnd an, „Sie.“ Da hatte sie unweigerlich recht. Spontan entschloss ich mich doch zu bleiben, obwohl sich ein gewisses Unbehagen in meinem Inneren ausbreitete. Nun würde ihre gesamte Aufmerksamkeit auf meinen bescheidenen Schreibkenntnissen und meinen Defiziten im Bereich Rechtschreibung ruhen. Und somit konnte sie nur in kürzester Zeit feststellen, dass in Bezug auf das Kreative Schreiben bei mir, salopp ausgedrückt, Hopfen und Malz verloren waren.
Wir begannen mit einem Schreibflusstraining. Das klang kompliziert, stellte sich aber als sehr einfache Übung heraus. Ich setzte meinen Stift oben auf ein leeres Blatt an und schrieb das ganze Blatt voll, ohne den Stift abzusetzen. Dabei schilderte ich Dinge, die ich wahrnahm: Von Kinderhand gefertigte blaue Holzenten, bunte mit Wasserfarbe gemalte Bilder. Also alles, was in dieser „creativ Werkstatt“ zu finden war. Des Weiteren boten sich Ereignisse und Erlebtes vom Tag, einem  schönen Urlaubstag, an. Mein Blatt füllte sich. Sobald mir nichts einfiel, ließ ich den Stift kreisen und produzierte so viele Kringel, bis die nächsten Gedanken vorbeizogen und Worte fließen ließen.
Im Verlauf des Abends erfuhr ich noch einiges über das Kreative Schreiben, vor allen, dass es keinerlei Bewertung bedarf, weder von mir noch von anderen. Wichtig ist nur, dass es Freude macht und gut tut.
Zum Abschied schenkte Frau Dr. Fuchs mir ein kleines Buch mit leeren weißen Seiten, um es mit meinen Worten  füllen.
Der Zug setzte sich in Bewegung.
Ich verließ den Bahnhof „creativ werkstatt“ und war gespannt wohin mich diese Reise führen würde….

 

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Eine Antwort auf Wege zum Schreiben

  1. susanne böhmig sagt:

    das ist die beschreibung eines wunderbaren neuen kapitels in einem menschen-lebens-buch

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